«Mit Wissen und Mut kann man viel bewegen»

Was braucht es, damit Nutzerinnen und Nutzer Informationen und Dienstleistungen von öffentlichen Stellen vertrauen können? Mit solchen und weiteren Fragen beschäftigt sich Andreas Amsler. Er leitet seit Anfang dieses Jahres die neu geschaffene Fach- und Koordinationsstelle Open Government Data (OGD) des Kantons Zürich. Nebenbei ist er als Dozent im CAS Digital Public Services and Communication an der FHS St.Gallen tätig.

Herr Amsler, Sie arbeiten seit zehn Jahren an der Schnittstelle zwischen Technologie, Gesellschaft und Staat. Sie befassen sich damit, wie der öffentliche Sektor digitale Informationen und Dienstleistungen aufbereiten muss, damit diese den Bedürfnissen der Nutzenden gerecht werden und deren Vertrauen gewinnen. Ist das in der hochentwickelten Schweiz nicht selbstverständlich?

Wir leben heute noch zu stark in der weitgehend selbstbestätigten Illusion, dass wir zu den führenden Nationen in Sachen «digital» gehörten. Das tun wir in den Bereichen Information und Dienste der öffentlichen Hand erst in sehr eingeschränktem Mass. Wir sind aber nicht einfach dazu verdammt, im Status Quo zu verbleiben. Verfügen Mitarbeitende sowie Entscheidungsträgerinnen und -träger über das notwendige Wissen und den Mut zu neuen Erfahrungen, können sie ganz viel bewegen.

Was können sie bewegen? 

Die Digitalisierung, ein Reizwort unserer Zeit im positiven wie negativen Sinn, bringt Bewegung in die Strukturen und die Prozesse, wie wir intern in Organisationen der öffentlichen Hand und mit anderen zusammenarbeiten. Wenn ich von «digital» spreche, dann meine ich, dass wir die Kultur, die Praktiken, die Prozesse und die Technologien des Internet-Zeitalters anwenden können, um den steigenden Erwartungen der Menschen an unsere Dienstleistungen zu entsprechen. Ein konkretes Beispiel: In Sitzungen hinterfrage ich, was die Bedürfnisse unserer Nutzenden sind. Können wir ihre Interaktion mit uns noch einfacher machen?

Zur Zielgruppe des CAS Digital Public Services and Communication gehören Mitarbeitende von Gemeinden, Parteien, Verbänden, kulturellen Institutionen aber auch von Organisationen im Bildungs-, Gesundheits- oder Sozialwesen. Was können diese Personen vom Lehrgang profitieren?

Wer in einer öffentlichen Organisation arbeitet, ist einerseits mit vielen teils konkreten, teils diffusen Bedürfnissen und Erwartungen konfrontiert und andererseits mit dem Gebot, dass staatliches Handeln einer legitimen Grundlage bedarf. Damit muss man professionell umgehen können. Der Lehrgang CAS Digital Public Services hilft dabei.

Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten drei Aspekte bei digitalen Services und der digitalen Kommunikation im öffentlichen Bereich?

Verständlichkeit, Einfachheit und Zuverlässigkeit.

Sie unterrichten das Modul «Zentrale Anforderungen an digitale Behördendienste». Was kann man sich darunter genau vorstellen?

Wir sprechen von Anforderungen an Dienste, die sich aus den Nutzerbedürfnissen ergeben. Dabei sind die Bedürfnisse all jener gemeint, die mit einem Dienst interagieren. Also unter anderem auch behördeninterne Nutzende. Die Herausforderung besteht daran, alle diese Bedürfnisse und Erwartungen angemessen und klar verständlich zu koordinieren – auf Neudeutsch würde man sagen: zu managen.

Was wollen Sie den Teilnehmenden vermitteln?

Ich leite die Teilnehmenden an, wie es gelingen kann, dass sie die ihnen aufgetragenen Ziele nicht aus den Augen verlieren, sondern schrittweise erfahr- und realisierbar machen. Dabei gebe ich ihnen zehn handlungsleitende Prinzipien für gute digitale Dienste mit auf den Weg – was sie bedeuten, wie wir sie konkret anwenden und was wir daraus lernen.

Was ist Ihnen beim Dozieren wichtig?

Die Interaktion. Ich selbst will auch von den Teilnehmenden lernen. Gerade weil wir in der Schweiz noch nicht so weit sind, besteht für uns noch Raum, zusammen eine tragfähige Haltung und eine fortschrittliche Praxis auszubilden.

 

Zur Person

Andreas Amsler ist Leiter der Fach- und Koordinationsstelle OGD des Kantons Zürich. Unter dem Programmtitel OpenZH unterstützt dieses kantonale Kompetenzzentrum die Verwaltungsstellen bei der Erschliessung ihrer Datenbestände und der Publikation als Open Data. Andreas Amsler bringt langjährige Erfahrungen in den Bereichen e-Demokratie, e-Partizipation und Community-Building mit. Der 41-Jährige hat einst das Politik-Startup politnetz.ch mitgegründet, ist seit 2011 im Vereinsvorstand von opendata.ch und war bis Anfang 2018 als Civic-/GovTech-Spezialist bei der Internet-Agentur liip.ch tätig. Offline schaltet Andreas Amsler am besten ab auf dem Velo, mit Familie und Freunden.