Schlagwort-Archive: Leadership

Nah am Geschehen trotz räumlicher Distanz

Im Executive MBA an der FHS St.Gallen treffen Führungskräfte aus verschiedenen Branchen zusammen. Nebst ihrem Berufsalltag erleben sie derzeit auch ihre Weiterbildung auf ungewohnte Weise. Diese findet aufgrund der aktuellen Situation digital statt. Dank eines besonderen Settings lässt sich jedoch ein Hauch Normalität in die Lektionen zaubern. Das zeigt ein Unterrichtsbesuch.

Es ist Freitagvormittag kurz nach 11.30 Uhr: Die Studierenden des Executive MBA geniessen nach einem gehaltvollen Referat über aktuelle Technologietrends gerade eine kurze Kaffeepause – jeder in seinen eigenen vier Wänden. Währenddessen sind Dozent Oliver Christ und Gastdozent Damir Bogdan im vierten Stock des Fachhochschulzentrums mit den letzten Vorbereitungen für die nächste Lektion beschäftigt. Diese findet in einem besonderen Setting statt. Die referierende Person sitzt diesmal nicht am Laptop, sondern bewegt sich frei im Raum, genau wie im analogen Unterricht. Auch altbewährte Mittel wie Whiteboard oder Flipchart kommen zum Einsatz. Die Kamera aus dem aufgeklappten Visualizer sowie diverse andere technische Vorkehrungen machen es möglich, das Geschehen via Microsoft Teams eins zu eins in die Büros und Wohnzimmer der Studierenden zu übertragen. Auf den Bildschirmen ergibt sich dadurch das Bild einer Unterrichtsituation, wie man sie sich vor der Krise gewohnt war. Ein Hauch Normalität in einer Zeit, in der alles dem Wandel unterworfen ist.

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«Das Duzen allein führt keinen Wandel herbei»

Seit über 22 Jahren arbeitet Shenasi Haziri für Coop. Angefangen hat er mit einer dreijährigen Ausbildung zum Detailhandelsangestellten. Heute ist er Verkaufschef in der Verkaufsregion Ostschweiz-Ticino. In dieser Führungsfunktion trägt er die Verantwortung für 34 Filialen und über 1100 Mitarbeitende. Vergangenes Jahr schloss Shenasi Haziri den Executive MBA an der FHS St.Gallen ab. Seine Masterarbeit im Rahmen dieser berufsbegleitenden Weiterbildung widmete er dem Thema «Duzen im Führungsalltag – Mehrwert oder Fluch?». Im Interview spricht er darüber, in welchen Fällen es sich bei der DU-Kultur um reine Kosmetik handelt und welches die wesentlichen Stützen für Zufriedenheit und Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz sind.

Herr Haziri, in Startups mit flachen Hierarchien ist die DU-Kultur eine Selbstverständlichkeit. Aber auch immer mehr Grossfirmen, bei denen sich CEO und Praktikant wohl kaum kennen, führen das Duzen auf allen Ebenen ein. Weshalb?

Die Unternehmenskulturen haben sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Hierarchische Strukturen und organisatorische Prozesse werden zunehmend in Frage gestellt. Zurückzuführen ist dieser Wandel auch auf die technologischen Entwicklungen. Vor allem Startups, die im Zuge der digitalen Revolution entstanden sind, leben neue Unternehmensformen vor. Sich zu duzen, ist dort Standard. Dieser persönlichere Umgang soll Barrieren abbauen, das Silo-Denken aufbrechen und das Miteinander fördern. Will man sich im Markt als modernes und dynamisches Unternehmen positionieren, ist die DU-Kultur möglicherweise eine geeignete Massnahme. Das mag ein Grund sein, weshalb auch grössere Unternehmen wie Banken oder Versicherungen das Duzen auf allen Ebenen einführen. Dagegen ist grundsätzlich nichts einzuwenden, solange es nicht einfach um Symbolpolitik geht.

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Managen per Mausklick

An der FHS St.Gallen stellen die Studierenden des Executive MBA und des MAS in Business Administration ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in einem Management-Planspiel unter Beweis. Ziel ist es, in Kleingruppen ein fiktives Unternehmen möglichst erfolgreich zu führen.

Die COPYFIX AG, Herstellerin des hochwertigen Farbkopierers «COPY Classic», befindet sich in einer turbulenten Phase. Wie den Wirtschaftsnachrichten zu entnehmen ist, muss der alte Vorstand trotz stimmiger Geschäftsergebnisse das Feld räumen, weil er dem Aufsichtsrat keine zufriedenstellende Strategie für ein langfristiges, nachhaltiges Wachstum des Unternehmens präsentieren konnte. Nun sollen die Studierenden des Executive MBA und des MAS in Business Administration an der FHS St.Gallen die Geschicke der COPYFIX AG lenken.

Echtsituationen in risikofreier Umgebung

Ein unternehmerisches Risiko gehen sie dabei nicht ein, zumindest nicht im wahren Geschäftsleben. Denn die Firma ist fiktiv, genau wie die Berichterstattung zur Auflösung des Vorstands. Allerdings stellt die COPYFIX AG ein durchaus realistisches Modell eines Industrieunternehmens dar und bildet als solches die Grundlage des computergestützten Management-Planspiels «TOPSIM – General Management».  Die Spielerinnen und Spieler simulieren damit unternehmerische Entscheidungen und Handlungen und erfahren deren Auswirkungen praxisnah. Komplexe Zusammenhänge werden erlebbar.

«Das Planspiel ermöglicht, den Stoff des Lehrgangs in simulierte Echtsituationen zu integrieren und vernetzt anzuwenden.»

Andreas Löhrer, Programmleiter
Executive MBA und MAS in Business Adminstration

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«Wir fördern das systemische und vernetzte Denken»

Wer ein Unternehmen erfolgreich führen will, muss mit den Herausforderungen der globalen und digitalen Welt umzugehen wissen. Gefragt ist die Fähigkeit, anspruchsvolle unternehmerische Situationen richtig beurteilen zu können und betriebswirtschaftlich vernetzte Entscheidungen zu treffen. Der Executive Master of Business Administration (EMBA) an der FHS St.Gallen bietet Führungskräften nützliche Antworten für aktuelle und zukünftige Anforderungen. Neuer Programmleiter ist Andreas Löhrer. Im Interview spricht er über Top Skills , über Management-Planspiele, die an der FHS St.Gallen zum Einsatz kommen und über bleibende Netzwerke, von denen die Studierenden profitieren.

Herr Löhrer, wie haben sich die Herausforderungen in der Unternehmensführung in den letzten Jahren verändert?

Wir leben heute in der sogenannten VUKA-Welt. Die Abkürzung VUKA steht für volatil, unsicher, komplex und ambivalent. Zwei bekannte Treiber dieser Entwicklung sind die Digitalisierung und Globalisierung. Aber beispielsweise auch die politische Verlässlichkeit ist im Vergleich zu früher gesunken. Plötzliche Sanktionen und Boykotte können die Folge sein. Unternehmerisches Handeln ist schwer kalkulierbar geworden. Es ist sehr anspruchsvoll für Unternehmungen, eine verlässliche strategische Planung zu erstellen und eine angemessene Entscheidungssicherheit zu erlangen.

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«Bei Einsätzen ist eine klare Führung notwendig»

Er führt rund 150 Polizeileute und schätzt es, dass kein Tag dem anderen gleicht: EMBA-Student Anjan Sartory ist neuer Leiter Sicherheit der Stadtpolizei St.Gallen. Im Interview spricht er darüber, wie die Polizei der Stadt den Puls fühlt, warum er Telefongespräche mit Bürgerinnen und Bürgern pflegt und was er mit seiner Masterarbeit bezwecken möchte.  

Herr Sartory, Sie tragen Polizeiuniform. Müssen Sie in Ihrer Funktion auch mal persönlich das Blaulicht einschalten und ausrücken?

Das kann durchaus vorkommen. Zum Beispiel bei schwerwiegenden Vorfällen wie Tötungsdelikten oder Demonstrationen mit gewalttätigen Ausschreitungen – wenn es darum geht, die Gesamteinsatzleitung zu übernehmen.

Als Leiter Sicherheit haben Sie aber noch viele weitere Aufgaben. Wie sieht bei Ihnen ein typischer Arbeitstag aus?

Mein Arbeitstag beginnt in der Regel um 7 Uhr. Als Erstes informiere ich mich beim Schichtleiter über die Polizeieinsätze, die in der Nacht stattgefunden haben, bearbeite die ersten E-Mails und um 8 Uhr findet der Tagesrapport mit meinen beiden Stellvertretern und meiner Assistentin statt. Der weitere Verlauf ist je nach Tag unterschiedlich. Zweimal wöchentlich steht beispielsweise ein Lagerapport an. Dabei geht es um die Häufigkeit bestimmter Vorkommnisse – seien es Einbrüche, Diebstähle, Sachbeschädigungen oder Verkehrsunfälle. Ziel ist es, der Stadt den Puls zu fühlen und zu wissen, wo wir ansetzen müssen. In meinem Kalender sind zudem Geschäftsleitungssitzungen, Sitzungen mit verschiedenen anderen Organisationen oder mit der Kriminalpolizei vermerkt. Auch mit Bürgerinnen und Bürgern bin ich in Kontakt. Wenn diese mit einer Beschwerde an uns gelangen, versuche ich die Situation jeweils in einem direkten Telefongespräch zu klären. Ich mache das lieber telefonisch als schriftlich, weil die Person am anderen Ende des Hörers dann auch gleich nachfragen kann. Zu meiner Tätigkeit gehören darüber hinaus viele repräsentative Aufgaben. Und nicht zuletzt spielt auch Personelles eine wichtige Rolle. Derzeit gilt es, einige Stellen neu zu besetzen.

 Für wie viele Mitarbeitende tragen Sie die Verantwortung?

Ich bin für rund 150 Polizistinnen und Polizisten verantwortlich. Dazu kommen 60 Zivilschutzangehörige, die für den Polizeidienst ausgebildet sind.

Ihr Erststudium widmeten Sie der Elektrotechnik, liessen sich aber später zum Polizeioffizier ausbilden und machten eine Weiterbildung im Bereich Forensik. Was fasziniert Sie so an der Polizeiarbeit?

Zum einen mag ich es, dass kein Tag wie der andere ist. Zum anderen erachte ich es als interessante Herausforderung, zu einer sicheren Stadt beizutragen und im Spannungsfeld zwischen Politik, Bevölkerung und Partnerorganisationen nach Lösungen zu suchen. Ausserdem ist diese Tätigkeit interessant, weil man verschiedene Führungsstile anwenden kann. Im Alltag pflege ich einen kooperativen Umgang. Bei Einsätzen hingegen ist eine ganz klare Führung notwendig.  

Führung spielt auch im Executive Master of Business Administration (EMBA), den Sie derzeit an der FHS St. Gallen absolvieren, eine wichtige Rolle. Weshalb haben Sie sich für diese Weiterbildung entschieden und was nützt Sie Ihnen im Berufsalltag?

Es ist mir wichtig, mich in meiner Führungsrolle weiterzuentwickeln und mein Netzwerk zu anderen Führungspersönlichkeiten aus anderen Branchen auszubauen. Die Weiterbildung hilft mir dabei. Daneben gibt es im EMBA viele Kurse, die praxisorientiertes Wissen vermitteln: ob nun im Bereich Personalentwicklung, Verhandlungsführung und Konfliktmanagement oder Bevölkerungsentwicklung und Generationendifferenz. Auch Themen rund um neue Informationstechnologien sind für mich spannend, auch im Hinblick darauf, dass wir unsere Polizistinnen und Polizisten demnächst mit einem Tablet ausrüsten wollen, damit sie ihre Rapporte direkt erfassen können.  

Die Stadtpolizei steht im Dienst der Bevölkerung. Es handelt sich dabei nicht um ein klassisches Unternehmen mit Kundinnen und Kunden. Werden die Inhalte im EMBA diesem Umstand gerecht?

Klar ist zum Beispiel die Gewinnoptimierung für uns nicht so zentral wie für andere. Trotzdem öffnet es den Horizont, wenn man sich mit solchen Inhalten auseinandersetzt. Das schafft auch ein Verständnis für die Strukturen in der Privatwirtschaft.

Den EMBA schliessen Sie mit einer Masterarbeit ab. Worüber wollen Sie diese schreiben?

Meine Masterarbeit plane ich zum Thema Diversity-Management mit Schwerpunkt «Vereinbarkeit von Familie und Beruf». Ziel ist es, dass diese Arbeit als unterstützendes Instrument bei der Personalstrategie der Stadtpolizei St.Gallen hinzugezogen werden kann.

«Ein kollegialer und kooperativer Umgang ist mir wichtig»

Seit Anfang Mai ist Johannes Holdener Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank St. Gallen. In dieser Funktion trägt er die Verantwortung für 100 Mitarbeitende. Nebst seinem Vollzeitjob schreibt der Absolvent des Executive Master of Business Administration an der FHS St.Gallen derzeit seine Masterarbeit. Im Interview spricht der 49-Jährige über seinen Führungsstil, über den Imageverlust der Bankbranche und über gemeinnützige Arbeit.

Herr Holdener, Sie haben vor zwei Monaten die neue Stelle als Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank St.Gallen angetreten. Wann beginnt bei Ihnen ein typischer Arbeitstag und wie sieht dieser aus?

Meist bin ich um 7 Uhr im Büro. Meine Arbeit ist enorm vielseitig. Nebst Telefonkonferenzen und vielen Sitzungen gehören zum Beispiel auch Kreditfallbesprechungen und Debriefings nach Marketinganlässen dazu. Zudem stehen häufig Abendveranstaltungen auf dem Programm. Während ich bei meiner letzten Stelle noch 70 Prozent in der Kundenberatung tätig war, sind meine Aufgaben jetzt praktisch zu 100 Prozent im Bereich Management und Führung angesiedelt.

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Daniela Habegger, Kommandantin der Sanitätspolizei Bern

Daniela Habegger, eine der ersten Frauen im Dienst der Sanitätspolizei Bern

Seit rund zehn Monaten ist unsere ehemalige Weiterbildungs-Studentin Daniela Habegger Kommandantin der Sanitätspolizei Bern und somit verantwortlich für die Sanitätsnotrufzentrale SNZ 144 und den Rettungsdienst der Stadt und Region Bern. Sie ist die erste Frau im Kanton Bern, die ein solches Amt innehat. Vor 18 Jahren war sie bereits in einem Teilzeitpensum bei der Sanitätspolizei Bern tätig. Ein Bericht über eine «Powerfrau» im Dienste der Rettungssanität.

Treffpunkt Bahnhof Bern. Daniela Habegger (51) wartet schon und chauffiert mich zur Sanitätspolizei (Sano) Bern. Unterwegs erklärt sie, was es zu sehen gibt: hier das Inselspital, dort den Stützpunkt der Abteilung Feuerwehr, Zivilschutz und Quartieramt der Stadt und Region Bern. Angekommen im 2013 bezogenen Neubau an der Murtenstrasse 111 führt mich Oberstleutnant Habegger durch ihr Reich und erklärt die Aufgaben der Sanitätspolizei: «Wir sind für alle Unfall-, Notfall- und Krankentransporte in der Stadt und Region Bern zuständig. Zudem betreiben wir die Sanitätsnotrufzentrale 144 Bern.». Das Einsatzgebiet umfasse 38 Gemeinden mit etwa 320’000 Einwohnerinnen und Einwohner. Zur Organisation erläutert sie: «Wir sind paramilitärisch organisiert und sowohl der städtischen Direktion für Umwelt, Sicherheit und Energie (SUE) als auch der Gesundheits- und Führsorgedirektion (GEF) des Kantons Bern unterstellt.» Mit der GEF bestehen Leistungsvereinbarungen für den Rettungsdienst und die SNZ 144.

Erste Kommandantin im Kanton
Habegger leitet die 1904 gegründete Sanitätspolizei Bern. Ihre Funktion nennt man «Kommandantin». Ihr unterstellt sind insgesamt 166 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in den Bereichen Planung und Einsatz, Rettungsdienst und Ausbildung oder Logistik tätig sind. Davon befinden sich aktuell 23 Personen in der Ausbildung zur Rettungssanitäterin HF bzw. zum Rettungssanitäter HF. Wer hier eine reine Männerdomäne unter weiblicher Führung erwartet, liegt falsch. Daniela Habegger war zwar vor rund 20 Jahren die erste Rettungssanitäterin der Stadt Bern, doch heute liege der Frauenanteil bei etwa 40 Prozent, freut sich Habegger. Auf dem Rundgang grüsst sie ihre Mitarbeitenden freundlich und wechselt kurz ein paar Worte mit ihnen. Von der militärischen Rangordnung ist nichts zu spüren. Man merkt jedoch schnell, dass sie sich gut eingelebt, gerne mit Menschen zu tun und Freude an ihrem Job hat. Welches sind denn die grössten Herausforderungen? «Mit dem Führungswechsel fand auch ein gewisser Kulturwandel statt. Das führt natürlich bei einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu einer gewissen Verunsicherung», erklärt Daniela Habegger. Sie lebe einen offenen, partizipativen Führungsstil. Es sei ihr wichtig, dass die Mitarbeitenden ihre Sicht und Meinung einbringen und Eigenverantwortung übernehmen. Weitere Themen, mit denen sie sich intensiv beschäftigt, ist die Weiterentwicklung der Organisation und generell die Entwicklung des Rettungsdienstes im Kanton Bern.

Schnelle Erstversorgung durch Laie
Angekommen in der Sanitätsnotrufzentrale 144 übergibt sie mich kurz dem stellvertretenden Gruppenleiter der SNZ 144 Stefan Nydegger. Erwartet hätte ich hier eine gewisse Hektik. Es geht aber ganz ruhig zu und her in diesem Grossraumbüro. Er erklärt, was auf seinen vier Monitoren zu sehen ist. Mit Stolz erzählt er mir ausserdem vom Projekt «Firstresponder.be». Firstresponder (FR) seien medizinische Laien, die ausserhalb des regulären Rettungsdienstes Erste Hilfe leisteten. «Bei medizinischen Notfällen überbrücken sie die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsteams mit Lebensrettenden Sofortmassnahmen und betreuen Patienten und deren Angehörigen.» Die ausgebildeten und registrierten FR würden bestimmen, in welchen Gemeinden sie eingesetzt werden wollen. Die Sanitätsnotrufzentrale alarmiere bei einem Einsatz via App alle in Frage kommenden FR. Diejenigen, die den Alarm quittieren, erhalten die Details zum Einsatz und begeben sich umgehend an den Ereignisort.

Zwei Weiterbildungsmaster abgeschlossen
Zurück in ihrem Büro erzählt Daniela Habegger, wie sie ihre Weiterbildung an der FHS St.Gallen erlebt hat. «Zuerst wollte ich ja eigentlich nur einen Lehrgang in Leadership besuchen.» Das tat sie dann auch und «leckte Blut», falls man das bei einer Rettungssanitäterin so sagen darf. «Ich besuchte dann doch noch die zwei anderen Lehrgänge und schloss 2010 den MAS in Health Service Management ab.» Der Lehrgang zu Führungsthemen habe ihr gezeigt, dass sie intuitiv vieles schon richtig gemacht habe in der Führung von Mitarbeitenden. «Das hat mich bestärkt, mich für Stellen in leitender Position zu bewerben.» 2014 entschloss sie sich auch noch, den Executive MBA anzupacken. «Im Modul Controlling habe ich ziemlich gelitten», erinnert sich Habegger. Bis in den Schlaf hätten sie die verschiedenen Berechnungswege der Deckungsbeiträge verfolgt. Heute sei sie aber froh, auch davon etwas zu verstehen. Sehr viel über Prozesse und die Kaizen-Methode habe sie ebenfalls gelernt. Beides helfe ihr in ihrem heutigen Job. Bei beiden Weiterbildungsmastern habe sie die Masterarbeit zu einem Thema aus ihrem Aufgabengebiet verfasst. Dadurch fiel ihr die strenge Phase der Masterarbeit etwas leichter, trotz Vollzeitarbeitspensum und privaten Herausforderungen. Ihr Fazit: «Man wächst mit den Aufgaben.»

Von der KV-Lehre zur Kommandantin
Alles begann mit der Berufslehre zur Kaufmännischen Angestellten. Gleich nach Abschluss absolvierte sie die Ausbildung zur Pflegefachfrau HF (ehemals Krankenschwester AKP). Nach einem Auslandaufenthalt als Pflegefachfrau in Namibia folgte die Weiterbildung zur Anästhesiepflegefachfrau. In dieser Funktion arbeitete sie im Universitätsspital wie auch in Regional- und Bezirksspitälern. Erste Kontakte zum Rettungsdienst folgten, die sie sukzessive ausbaute. Schliesslich absolvierte Daniela Habegger auch noch die Ausbildung zur Rettungssanitäterin HF. Als Paramedic war sie in der Folge in Mali, Togo und Haiti im Einsatz. Ihre ersten Führungserfahrungen beruhen auf ihren Tätigkeiten als Erwachsenenbildnerin HF an der Schule für Rettungssanität in Bern, als Leiterin Sanitätsnachrichtendienst (Schweizer Armee) sowie nach der ersten Weiterbildung an der FHS St. Gallen als Bereichsleiterin Pflege Chirurgie am Kantonsspital Obwalden in Sarnen. Bevor sie im Herbst 2016 die Leitung der Sanitätspolizei Bern übernahm, arbeitete sie während viereinhalb Jahren als Pflegedienstleiterin der Universitätskliniken für Kardiologie und Angiologie am Inselspital Bern. Ein eindrücklicher Werdegang. In ihrer Freizeit entspannt sich Habegger bei der Gartenarbeit oder beim Kochen. «Das empfinde ich als sehr kreativ und inspirativ», so Habegger. Ausserdem lese und reise sie gerne.

Zahlen und Fakten rund um die Sanitätspolizei Bern (Stand 2016)
Sanitätsnotrufzentrale 144:

  • Zuständig für das Mittelland, Emmental und Berner Oberland
  • 191’029 Anrufe (durchschnittlich 523 pro Tag),
    Anrufreichster Tag: 6. September mit 843 Anrufen innerhalb 24 Stunden
  • 40’515 disponierte Einsätze, d.h. durchschnittlich 111 pro Tag

Rettungsdienst:

Fahrzeugflotte der Sanitätspolizei Bern

Fahrzeugflotte der Sanitätspolizei Bern (Bild: Sanitätspolizei Bern)

  • Zuständig für 38 Gemeinden mit rund 320’000 Einwohnerinnen und Einwohner
  • 18’867 Einsätze (Tagesdurchschnitt 51)
  • 575’849 gefahrene Kilometer, das entsprecht 13,5 Erdumrundungen
  • Top-Tag: 86 Einsätze innerhalb 24 Stunden im Vergleich zum ruhigsten Tag mit 28 Einsätzen im selben Zeitraum
  • Fuhrpark: 10 Rettungswagen, 6 Einsatzambulanzen, 1 Intensivtransportwagen, 1 Isolettenfahrzeug («Storchenwagen»),
    2 Notarztfahrzeuge, 5 Rettungsboote und 1 Katastrophen-Anhänger